ERCO Stromschienenkonfigurator: von der Planungsidee zur Stückliste.

Wer Stromschienensysteme plant, kennt das Problem: Die eigentliche Idee ist schnell da, die konkrete Umsetzung nicht. Welche Profile passen? Wo wird eingespeist? Und was fehlt am Ende noch, damit das Ganze auch wirklich funktioniert? Genau an dieser Stelle setzt der ERCO Stromschienenkonfigurator an.

Statt sich durch Produktlisten zu klicken oder jedes Detail mit dem Vertrieb zu klären, können Nutzer:innen ihre Anforderungen direkt selbst strukturieren und durchspielen. Der Konfigurator übersetzt eine räumliche Vorstellung in eine technisch abbildbare Lösung, inklusive aller Komponenten, Abhängigkeiten und Details, die im Hintergrund sonst leicht übersehen werden. Das Ergebnis ist keine lose Ideenskizze, sondern eine belastbare Grundlage: nachvollziehbar, prüfbar und bereit für den nächsten Schritt im Prozess.

Kunde
ERCO Leuchten GmbH
Jahr
2020 - 2021
Klickmeister
Florian Bräunsbach

Florian Bräunsbach

(Development & Datenstrukturen)

Carlos Bystron

Carlos Bystron

(Development & Interaktion)

Christian Noss

Christian Noss

(Beratung & Datenstrukturen)

Ausgangssituation und Zielsetzung

Die Planung von Stromschienensystemen beschränkt sich nicht auf die Auswahl einer Grundform. Neben linearen Verläufen oder geometrischen Anordnungen müssen auch Einspeisungen, Verbindungsstücke, Endelemente und weiteres Zubehör berücksichtigt werden. Dieses Wissen lag in der Praxis zu großen Teilen beim Vertrieb. Entsprechend hoch war der manuelle Aufwand in Beratung und Angebotsvorbereitung.

Ziel des Projekts war es, ein webbasiertes Tool zu entwickeln, das diesen Prozess strukturiert abbildet und für Nutzer:innen zugänglich macht. Kund:innen sollten in die Lage versetzt werden, eine Konfiguration eigenständig vorzubereiten, auf deren Basis der Vertrieb auf einer bereits vorqualifizierten und prüfbaren Grundlage weiterarbeiten kann. Damit sollte der Auswahlprozess vereinfacht, Wissen aus dem rein manuellen Vertriebsprozess in ein digitales System überführt und der Aufwand auf Kund:innen- wie Unternehmensseite reduziert werden.

Funktionaler Ansatz

Der Stromschienenkonfigurator führt Nutzer:innen schrittweise durch die Zusammenstellung einer individuellen Lösung. Ausgangspunkt ist eine räumliche Anforderung, etwa eine bestimmte Deckensituation oder eine gewünschte Struktur, die im Tool in konkrete Parameter übersetzt wird.

Auf dieser Basis erfasst die Anwendung die relevanten Anforderungen, verarbeitet die gewählten Optionen und leitet daraus die benötigten Komponenten ab. Am Ende entsteht eine vollständige Ausgabe der benötigten Artikel inklusive der zugehörigen Artikelnummern.

Wesentlich ist dabei, dass der Konfigurator nicht nur auswählt, sondern Zusammenhänge sichtbar macht. Längenangaben können präzise berücksichtigt werden, sodass auch kleinere Abweichungen in der Planung erfasst werden. Wenn eine Konfiguration dazu führt, dass ein Profil manuell gekürzt werden muss, wird dies im Tool kenntlich gemacht. Gleichzeitig unterstützt eine visuelle Darstellung den gesamten Prozess. Änderungen an Maßen oder Auswahloptionen wirken sich direkt auf die Darstellung aus, wodurch die Konfiguration nachvollziehbar bleibt. Das Ergebnis kann anschließend als PDF exportiert werden und dient damit als Grundlage für Prüfung, Abstimmung und Bestellung.

Technische Umsetzung

Die technische Architektur des Stromschienenkonfigurators ist stark datengetrieben aufgebaut. Die Konfigurationslogik wird im Kern über eine zentrale JSON-Struktur abgebildet, in der die einzelnen Schritte, Antwortmöglichkeiten und Abhängigkeiten definiert sind. Auf diese Weise lässt sich der Ablauf des Konfigurators strukturiert steuern, ohne dass jede Veränderung unmittelbar Eingriffe in die Oberfläche erfordert.

Die Entscheidungen der Nutzer:innen werden als strukturierter Antwortpfad verarbeitet und im Backend weitergeführt. Daraus ergibt sich ein System, das die einzelnen Konfigurationsschritte nicht nur inhaltlich, sondern auch logisch miteinander verknüpft. Die Ermittlung der finalen Artikel erfolgt über eine eigene Datenhaltung, die unabhängig von bestehenden Produktdatenquellen aufgebaut wurde. Ergänzend dazu greifen Frontend und Backend auf gemeinsame Typdefinitionen zurück, um Konsistenz in der Verarbeitung und eine bessere Wartbarkeit sicherzustellen.

Ein wesentlicher Vorteil dieses Ansatzes liegt in seiner Flexibilität. Neue Schritte oder Auswahlmöglichkeiten können in der zugrunde liegenden Datenstruktur ergänzt werden, ohne dass das Frontend grundsätzlich angepasst werden muss. Dadurch bleibt das System erweiterbar und kann auch bei Veränderungen im Produktportfolio vergleichsweise kontrolliert weiterentwickelt werden.

Visualisierte Stromschienen-Konfiguration mit exakten Abmessungen, Einspeiseposition und automatisch generierter Stückliste inklusive aller benötigten Komponenten.
Visualisierte Stromschienen-Konfiguration mit exakten Abmessungen, Einspeiseposition und automatisch generierter Stückliste inklusive aller benötigten Komponenten.

Wartung und Weiterentwicklung

Änderungen am Produktportfolio lassen sich beim Stromschienenkonfigurator in weiten Teilen über die zentrale JSON-Konfiguration abbilden. Solange Anpassungen innerhalb der bestehenden Logikstruktur bleiben, ist der Aufwand dafür in der Regel überschaubar. Aufwändiger wird es dann, wenn neue Abhängigkeiten hinzukommen oder grundlegende Erweiterungen der Konfigurationslogik erforderlich werden.

Herausforderungen im Projektverlauf

Die größte Herausforderung lag in der Abbildung der zahlreichen fachlichen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Komponenten. Unterschiedliche Kombinationen von Auswahloptionen führen dazu, dass zusätzliches Zubehör oder bestimmte ergänzende Bauteile erforderlich werden. Diese Zusammenhänge ließen sich nicht vollständig im Vorfeld modellieren, sondern wurden zum Teil erst im Verlauf von Tests und Abstimmungen sichtbar.

Gerade in einem solchen System zeigt sich die eigentliche Komplexität nicht in der Oberfläche, sondern im Regelwerk dahinter. Viele Sonderfälle traten erst dann auf, wenn konkrete Konfigurationen durchgespielt und auf Vollständigkeit geprüft wurden. Entsprechend musste die Logik im Projektverlauf schrittweise verfeinert und erweitert werden.

Zu Beginn stand ein Proof of Concept, der vor allem dazu diente, die technische Umsetzbarkeit schnell zu validieren. Dieser Ansatz wurde später nicht vollständig ersetzt, sondern weiterentwickelt und in die produktive Lösung überführt.

Einblicke in das Projekt