Eine komplexe Produktfamilie plan- und nutzbar machen mit dem ERCO Invia Konfigurator

Beim modularen Invia Lichtbandsystem hört die Konfiguration nicht bei der Form auf. Hier geht es nicht nur darum, wie etwas verläuft, sondern auch darum, was darin passiert. Profile, Licht, Leistung und Zubehör greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig.

Genau an dieser Stelle setzt der Invia Konfigurator an. Er übersetzt diese Mehrdimensionalität in einen strukturierten, nachvollziehbaren Prozess. So entsteht aus einer Vielzahl von Möglichkeiten eine konkrete, belastbare Konfiguration, visuell nachvollziehbar, technisch konsistent und direkt anschlussfähig für Planung und Umsetzung.

Kunde
ERCO Leuchten GmbH
Jahr
2021 - 2022
Klickmeister
Florian Bräunsbach

Florian Bräunsbach

(Development & Datenstrukturen)

Carlos Bystron

Carlos Bystron

(Development & Interaktion)

Ausgangssituation und Zielsetzung

Der Invia Konfigurator entstand im Zuge der Einführung der neuen, modular aufgebauten Produktfamilie. Im Unterschied zu klassischen Stromschienensystemen sind hier nicht nur die Trägerstrukturen relevant, sondern auch die darin integrierten Leuchten selbst Teil der Systemlogik. Profile und Lichtmodule bilden eine funktionale Einheit, die sich flexibel kombinieren lässt, deren Zusammenstellung aber deutlich komplexer ist.

Neben der geometrischen Anordnung müssen auch unterschiedliche Abstrahlcharakteristiken, modulare Einsätze und technische Parameter wie Leistungsaufnahme berücksichtigt werden. Damit verschiebt sich die Komplexität von einer reinen Strukturplanung hin zu einer integrierten Systemkonfiguration, bei der mehrere Ebenen gleichzeitig zusammenspielen.

Ziel war es, ein Tool zu entwickeln, das diese Komplexität zugänglich macht, ohne sie zu vereinfachen. Nutzer:innen sollten die Möglichkeit erhalten, sowohl die Struktur als auch die funktionalen Eigenschaften eines Systems eigenständig zu konfigurieren. Gleichzeitig musste sichergestellt werden, dass die resultierenden Kombinationen technisch valide sind und als belastbare Grundlage für Planung, Abstimmung und Umsetzung dienen können.

Funktionaler Ansatz

Der Invia Konfigurator baut auf dem Prinzip des Stromschienenkonfigurators auf, erweitert dieses jedoch um eine zusätzliche Interaktionsebene. Während dort primär die Struktur im Fokus steht, wird hier jede einzelne Einheit innerhalb dieser Struktur konfigurierbar. Nutzer:innen beginnen mit der Definition einer räumlichen Anordnung. Diese Struktur bildet den Rahmen, innerhalb dessen die eigentliche Detailarbeit stattfindet. Jedes Profil kann anschließend separat betrachtet und bearbeitet werden. Innerhalb dieser Profile stehen definierte Bereiche zur Verfügung, in die unterschiedliche Leuchtenmodule eingesetzt werden können.

Die Interaktion erfolgt visuell über via Drag-and-Drop. Leuchten werden nicht abstrakt ausgewählt, sondern konkret in die Struktur eingefügt. Dadurch entsteht eine direkte Verbindung zwischen Auswahl und räumlicher Wirkung. Unterschiedliche Modultypen, Längen und Lichtverteilungen können kombiniert werden, wodurch eine hohe Variabilität entsteht, die gleichzeitig kontrolliert bleibt.

Die Anwendung stellt dabei zwei Perspektiven bereit. Eine Gesamtansicht zeigt die komplette Struktur inklusive ihrer Abmessungen und Anordnung. Ergänzend dazu ermöglicht eine Detailansicht die Bearbeitung einzelner Profile, in denen die konkrete Bestückung mit Leuchten sichtbar und veränderbar ist.

In der Detailansicht des Invia Konfigurators wird jedes Profil einzeln bearbeitet. Leuchtenmodule können positionsgenau ausgewählt, visuell geprüft und innerhalb der Systemlogik korrekt zugeordnet werden.
In der Detailansicht des Invia Konfigurators wird jedes Profil einzeln bearbeitet. Leuchtenmodule können positionsgenau ausgewählt, visuell geprüft und innerhalb der Systemlogik korrekt zugeordnet werden.

Ergebnisdarstellung

Am Ende der Konfiguration steht eine differenzierte Ergebnisdarstellung, die sowohl für die Bestellung als auch für die Umsetzung relevant ist. Die Anwendung erzeugt eine vollständige Liste aller benötigten Komponenten und stellt diese in einer zusammenhängenden Struktur dar. Parallel dazu wird die Konfiguration so aufbereitet, dass sie auch aus der Perspektive der Montage nachvollziehbar bleibt.

Neben der Gesamtübersicht wird die Konfiguration profilbezogen aufgeschlüsselt. Dadurch lässt sich erkennen, welche Komponenten in welchem Abschnitt der Struktur verbaut werden. Diese Zuordnung erleichtert insbesondere die Umsetzung vor Ort, da die abstrakte Planung in konkrete Montageschritte übersetzt wird. Die visuelle Darstellung bleibt dabei integraler Bestandteil des Ergebnisses. Die Struktur wird weiterhin sichtbar abgebildet, sodass die Beziehung zwischen Planung und realer Einbausituation erhalten bleibt. Ergänzend dazu kann die gesamte Konfiguration als PDF exportiert werden, wodurch alle relevanten Informationen in kompakter Form zur Verfügung stehen.

Zubehör wird bewusst nicht vollständig einzelnen Profilen zugeordnet, sondern aggregiert ausgewiesen. Diese Entscheidung reduziert die Komplexität der Darstellung und folgt der Logik, dass bestimmte Komponenten sich aus der Gesamtstruktur ergeben und nicht isoliert pro Segment betrachtet werden müssen.

Technische Umsetzung

Die technische Umsetzung des Invia Konfigurators basiert auf einer Kombination aus bestehenden Produktdaten und projektspezifischen Erweiterungen. Während grundlegende Informationen aus vorhandenen Datenquellen bezogen werden, werden zusätzliche, für die Konfiguration notwendige Attribute in einer eigenen Datenstruktur ergänzt und verarbeitet.

Analog zum Stromschienenkonfigurator wird die Nutzerführung über eine JSON-basierte Struktur gesteuert. Diese definiert die einzelnen Schritte sowie die verfügbaren Auswahlmöglichkeiten. Im Unterschied zum Stromschienenkonfigurator liegt jedoch ein größerer Teil der eigentlichen Logik im Backend. Dort werden komplexe Zusammenhänge verarbeitet, die sich nicht rein deklarativ abbilden lassen. Dazu zählen insbesondere Berechnungen im Zusammenhang mit der Leistungsaufnahme sowie die daraus resultierende Dimensionierung von Netzteilen. Auch Sonderfälle und spezifische Abhängigkeiten zwischen Komponenten werden an dieser Stelle behandelt. Die erforderlichen Systemparameter werden dabei dynamisch zur Laufzeit ermittelt, sodass jede Konfiguration individuell ausgewertet wird.

Die Architektur verbindet somit eine flexible, datengetriebene Steuerung der Oberfläche mit einer tiefergehenden, funktionalen Verarbeitung im Backend. Dadurch lässt sich die hohe Komplexität des Systems abbilden, ohne die Interaktion für Nutzer:innen unnötig zu verkomplizieren.

Herausforderungen im Projektverlauf

Die Entwicklung des Konfigurators war maßgeblich durch die hohe Komplexität der möglichen Kombinationen geprägt. Anders als bei einfacheren Konfigurationssystemen entstehen hier sehr viele Varianten, die jeweils technisch korrekt funktionieren müssen. Diese Vielzahl an Möglichkeiten erschwert sowohl die Entwicklung als auch die Qualitätssicherung. Eine zentrale Herausforderung bestand darin, die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen den Komponenten korrekt zu modellieren. Die Auswahl bestimmter Leuchten hat unmittelbare Auswirkungen auf andere Systemparameter, etwa auf die benötigte Energieversorgung. Solche Zusammenhänge müssen konsistent berücksichtigt werden, um valide Ergebnisse zu gewährleisten.

Hinzu kamen Anforderungen an die Benutzeroberfläche, insbesondere im Hinblick auf die Drag-and-Drop-Interaktion. Diese musste nicht nur intuitiv funktionieren, sondern auch stabil und präzise auf die zugrunde liegende Logik abgestimmt sein. Parallel dazu erforderte die Integration unterschiedlicher Datenquellen eine saubere Abstimmung der Datenstrukturen, um Inkonsistenzen zu vermeiden.

Wartung und Weiterentwicklung

Im Vergleich zum Stromschienenkonfigurator ist der Wartungsaufwand beim Invia Konfigurator höher. Das liegt vor allem daran, dass ein Teil der Geschäftslogik nicht ausschließlich über Konfigurationsdaten gesteuert wird, sondern in Form von Backend-Funktionen implementiert ist. Änderungen an zentralen Komponenten können daher Anpassungen an mehreren Stellen im System erforderlich machen. Die enge Verzahnung von Daten und Logik erhöht die Komplexität von Updates, ermöglicht jedoch gleichzeitig eine präzise Abbildung auch anspruchsvoller Produktlogiken. Dadurch bleibt das System in der Lage, die hohe Variabilität der Produktfamilie zuverlässig abzubilden und weiterzuentwickeln.

Anwendungsbeispiel

Einblicke in das Projekt